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Sprache und sprachlicher Vielfalt im Ganztag begegnen

Der Ganztag bietet zahlreiche Gelegenheiten, sprachliche Vielfalt sichtbar zu machen und Sprachförderung in den Alltag einzubinden. Ob im täglichen Ablauf vor Ort, in der Zusammenarbeit mit Eltern und weiteren Partnern als auch gezielt in Projekten oder Arbeitsgemeinschaften (AGs) – überall entstehen Chancen, Kinder und Jugendliche beim Sprechen, Verstehen und Anwenden von Sprache zu unterstützen.

Sprache und sprachliche Vielfalt im Alltag des Ganztags aufgreifen

Im Folgenden finden Sie konkrete Anregungen, wie sprachliche Vielfalt im Alltag des Ganztags begegnet werden kann. Über die aufklappbaren Bereiche können weitere Informationen zu einzelnen Themen aufgerufen werden.

Eine Sprachwand ist eine gut sichtbare Tafel oder Wandfläche, die die Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt der Kinder würdigt. So kann beispielsweise eine Weltkarte die Herkunftsländer der Kinder und Jugendlichen darstellen. Zudem können dort Willkommens- und Abschiedsgrüße in der jeweiligen Landessprache ergänzt werden. Auch Themenbereiche oder Sprichwörter lassen sich als ,,Wort der Woche‘‘ in verschiedenen Sprachen vorstellen. Durch eine Sprachwand wird Mehrsprachigkeit aktiv in den Alltag eingebunden – etwa indem sich die Kinder und Jugendlichen mit den Worten ,,Auf Wiedersehen'' in mehreren Sprachen verabschieden.

Regelmäßige Kinderkonferenzen bieten eine strukturierte Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aktiv an Entscheidungen zu beteiligen. Diese Gesprächsrunden, in denen die Teilnehmenden gemeinsam über Themen, Regeln und Wünsche sprechen, tragen zur Sprachförderung bei. Kinder und Jugendliche üben Meinungen zu formulieren, Argumente auszutauschen und einander zuzuhören. Die klare Struktur der Konferenz vermittelt Sicherheit und gibt ihnen einen Rahmen, ihre Anliegen ernsthaft einzubringen. Durch die Abstimmung am Ende der Konferenz, in der über einen Vorschlag demokratisch angestimmt wird, erfahren die Kinder, dass ihre Stimme Gewicht hat. Neben der Sprachförderung erleben sie auch Selbstwirksamkeit, Verantwortung und Mitbestimmung.

Durch die Visualisierung der Tagesabläufe und Regeln kann die Alltagssprache ritualisiert geübt werden. Die dafür vorgesehenen Symbole werden wiederholt mit dem passenden Begriff gesprochen, sodass sich die Kinder Schritt für Schritt auch sprachlich orientieren können. Bildkarten zu Regeln (,,leise sein‘‘, ,,melden‘‘, ,,aufräumen‘‘) oder zu alltäglichen Abläufen (siehe Materialien zu Mittags- und Lernzeit) machen Strukturen sichtbar und ermöglichen es, Kinder sprachlich zu fördern.

Konflikte gehören zum Alltag jeder Ganztagsschule und eröffnen Chancen zur Sprachförderung. Kinder und Jugendliche werden darin unterstützt, Konflikte nicht nur körperlich oder emotional, sondern auch sprachlich auszutragen.  

Eine sprachbegleitete Konfliktkultur bietet ihnen hierfür Hilfsmittel wie Satzmuster (,,Ich fühle mich…,weil…/ Ich möchte….., bitte…. Ich schlage vor…) oder Gefühls- und Emotionskarten (mit Wort und Bildunterstützung). Dadurch erhalten die Kinder und Jugendlichen Werkzeuge, um ihre Gefühle und Anliegen in Konfliktsituationen klar auszudrücken.

Zudem kann ein Plakat mit einem Gesprächsleitfaden für Konflikte hilfreich sein. Es zeigt die Regeln eines respektvollen Gesprächs (z.B. nacheinander sprechen, Ich-Botschaften verwenden etc.) und wird mit Symbolen, Piktogrammen oder Zeichnungen ergänzt. Durch die bildliche Darstellung verstehen auch Kinder und Jugendliche mit geringen Deutschkenntnissen die Abläufe besser und können aktiv an der Konfliktlösung teilnehmen.

Sprache und sprachliche Vielfalt in AGs und Projekten

Die folgenden Beispiele zeigen, wie sprachliche und kulturelle Vielfalt in Arbeitsgemeinschaften und Projekten aufgegriffen werden kann. Klicken Sie auf die einzelnen Bereiche, um weitere Informationen und Umsetzungsideen zu erhalten.

Kinder hören gemeinsam Hörspiele oder Bilderbuchgeschichten (auch mehrsprachig) und erzählen anschließend nach, malen Szenen oder erfinden Fortsetzungen.

à Fördert das Hörverstehen, aktives Erzählen und Wortschatz

Kinder entwickeln und spielen kleine Szenen oder Theaterstücke. Diese können auch gezielt Themen wie Integration, Toleranz, Gemeinschaft, Rassismus oder Ausgrenzung aufgreifen.

à Fördert Sprachgefühl, Ausdrucksfähigkeit und Wortschatz; kann den Fokus auf kulturelle Vielfalt legen

Kinder kochen Gerichte aus verschiedenen Ländern. Beim Zubereiten werden Begriffe geübt und Rezepte gelesen. Außerdem bietet es sich an, die einzelnen Rezepte in einer eigenen Rezeptsammlung schriftlich festzuhalten.

à Sprachförderung in Alltagssituationen mit kulturellem Bezug

Kinder üben in kleinen Runden ihre Meinung zu sagen, zuzuhören und zu diskutieren. Themen werden altersgerecht ausgewählt (Lieblingstier, Was ist gerecht?, Wie fühle ich mich im Ganztag wohl?,..).        

à Fördert Ausdrucksfähigkeit, Argumentation und aktives Zuhören

Kinder lernen bekannte Lieder aus aller Welt, übersetzen Liedtexte, sprechen über Inhalte, gestalten Tänze und rhythmische Begleitungen.

à Stärkt Hörverstehen, Rhythmusgefühl und Ausdrucksfähigkeit

Kinder produzieren ein Hörspiel oder einen Podcast – sie schreiben Texte, sprechen ein, bearbeiten den Ton.

à Fördert Kreativität, Sprechfreude, Wortschatz und Textverständnis.

Projektstunden mit Sprachfördermaterialien, Bildkarten, Spielen und Liedern. Gezielt einzusetzen für Ganztagseinrichtungen, in der viele Sprachanfänger und Kindern mit wenig Deutschkenntnissen sind.

à Fördert Hörverstehen, Ausdrucksfähigkeit und Wortschatz

Elternarbeit und Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, um Sprache und sprachlicher Vielfalt zu begegnen

Die Zusammenarbeit mit Eltern und außerschulischen Partnern ist eine große Chance für den Bildungsalltag. Klicken Sie auf die einzelnen Bereiche, um weitere Informationen zu erhalten.

Informationsveranstaltungen für Eltern können Themen wie Spracherwerb, Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeit oder Leseförderung zu Hause aufgreifen. Dabei ist es sinnvoll Dolmetscher einzusetzen oder mehrsprachige Materialien bereitzustellen. So wird allen Eltern der Zugang zu den Inhalten sowie eine aktive Teilnahme ermöglicht. 

Eltern sind eine wichtige Ressource im Ganztag. Sie können eingeladen werden, um aktiv an Sprachprojekten im Ganztag teilzunehmen. Beispielsweise können Herkunftsländer oder die Herkunftssprache vorgestellt, länderspezifische Märchen erzählt oder traditionelle Gerichte zubereitet werden. Dadurch wird nicht nur sprachliche Vielfalt sichtbar, sondern auch kulturelles Wissen geteilt und Wertschätzung gegenüber unterschiedlichen Lebenswelten gefördert.

Mehrsprachige Eltern oder geschulte Dolmetscher können bei Gesprächen und Veranstaltungen eine wertvolle Unterstützung sein. Sie erleichtern den sprachlichen Zugang für Eltern, die nur wenig Deutsch sprechen, und tragen so zu einer besseren Verständigung bei. Gleichzeitig fördert dieses Helfersystem Vertrauen, Offenheit und Vernetzung zwischen Elternhaus und Ganztagsschule. 

Auch die Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Autoren, Theatern oder Vereinen kann die Sprachförderung nachhaltig bereichern:

Bibliotheken: Regelmäßige Besuche mit Einführung ins Ausleihsystem und Vorleseaktionen regen Kinder zum eigenständigen Umgang mit Büchern an und fördern die Lesemotivation sowie den Sprachzugang außerhalb der Schule.

Autoren und Schriftsteller: Autorenlesungen oder Schreibwerkstätten im Ganztag bieten Kindern authentische Begegnungen mit Sprache und Literatur, fördern das Leseinteresse und regen zum eigenen Erzählen und Schreiben an.

Theater- und Kulturvereine: Theaterprojekte, Rollenspiele oder kreative Ausdrucksformen fördern das Sprachverständnis, die Kommunikationsfähigkeit und Teamarbeit. Sie eröffnen den Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten, Sprache nicht nur zu lernen, sondern auch künstlerisch und spielerisch zu erleben.